Wirtschaftsbericht

Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Die Weltwirtschaft hat sich im Geschäftsjahr leicht schwächer entwickelt als erwartet. Ging der Internationale Währungsfonds für 2014 zunächst von einem realen Wachstum um 3,7 % aus, musste er diese Prognose im Jahresverlauf nach unten korrigieren. Letztlich expandierte die globale Wirtschaft um 3,3 %. Hierbei dämpften auch die politischen und militärischen Konflikte in Osteuropa sowie im arabischen Raum die Investitionsfreudigkeit vieler Unternehmen. Die in unserer Prognose für 2014 zitierten Konjunkturerwartungen haben sich insofern nicht ganz erfüllt.

Insbesondere in unserem unverändert wichtigsten Markt, Europa, blieb die konjunkturelle Dynamik schwach. Dabei zeigten die EU-Mitgliedsstaaten ein uneinheitliches Bild: Während Spanien nach erfolgreichen Reformen wieder ein moderates Wachstum erzielte, stagnierte die französische Wirtschaft. Italien verharrte in der Rezession. Die Wirtschaft in Deutschland entwickelte sich mit einem Plus von 1,6 % vergleichsweise besser.

Für unsere Geschäftsentwicklung sind in den vergangenen Jahren die BRIC-Staaten sowie verschiedene asiatische und südamerikanische Schwellenländer als Absatzmärkte zunehmend wichtiger geworden. Diese verloren aber 2014 einen Teil ihrer Wachstumsdynamik, was unsere geschäftlichen Möglichkeiten entsprechend beeinträchtigte.

Eine annähernde Stagnation verzeichneten die beiden Volkswirtschaften in Brasilien und in Russland. Während in Bra­silien das Haushaltsdefizit das Investitionsklima trübte, waren in Russland die politische Auseinandersetzung mit den west­lichen Staaten, der sinkende Ölpreis und die Abwertung des Rubels für die Marktschwäche ausschlaggebend. Die Entwicklung in diesen beiden Ländern beeinträchtigte vor Ort auch die Nachfrage nach unseren Pumpen und Armaturen.

Chinas Wirtschaft ist um 7,4 % gewachsen, blieb damit jedoch hinter den Steigerungsraten früherer Jahre zurück. Das Land war aber auch für unsere Produkte ein unverändert wichtiger und perspektivreicher Markt. In Indien, wo wir in fünf Werken vorwiegend für den inländischen Bedarf produzieren, kündigte die neue Regierung an, die Steuer- und Subventionspolitik zu reformieren, was das Investitionsklima verbesserte, sich aber noch nicht auf unser Geschäft auswirkte.

Im Mittleren Osten und in Nordafrika bremsten die politischen Krisenherde einschließlich militärischer Auseinandersetzungen die wirtschaftliche Entwicklung. Mit den Wachstumsimpulsen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emi­raten erhöhte sich aber das Bruttoinlandsprodukt der Region um 2,8 %. Die afrikanischen Länder südlich der Sahara behielten das Expansionstempo des Vorjahres bei und wuchsen insgesamt um 4,8 %. Mit dieser Entwicklung konnte die Republik Südafrika, wegen längerfristiger Arbeitsniederlegungen und anhaltender Infrastrukturprobleme, nur bedingt mithalten. Das Bruttoinlandsprodukt stieg lediglich um 1,4 %. Unser Werk in Johannesburg war von den Streiks der Metallarbeiter sowie von einer verringerten Inlandsnachfrage direkt betroffen.

WELTWEIT 5 PROZENT MEHR UMSATZ IM MASCHINENBAU

Nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) ist der globale Umsatz mit Maschinenbauprodukten, zu denen auch unsere Produkte zählen, im Berichtsjahr um real 5 % gewachsen. Die Branche hat sich damit entsprechend der im Geschäftsbericht 2013 zitierten Prognose entwickelt. Das Wachstum war allerdings in den fünf umsatzstärksten Maschinenbaumärkten China, USA, Deutschland, Japan und Italien sehr heterogen.

Trotz der leicht gebremsten Wirtschaftsexpansion in China konnten die dort tätigen Maschinenbaufirmen ihren Umsatz mit plus 9 % erneut überdurchschnittlich steigern. Die japanischen Hersteller, die im Vorjahr noch eine rückläufige Umsatzentwicklung verzeichnet hatten, verbesserten sich sogar um 10 %. Deutlich belebt hat sich auch der Umsatz mit Maschinen in den USA, der um 6 % nach oben ging. Demgegenüber konnte der Umsatz im deutschen Maschinenbau mit 1 % Steigerung nicht überzeugen. Das zweitgrößte europäische Maschinenbauland, Italien, verzeichnete aufgrund der anhaltenden Rezession der Gesamtwirtschaft auch 2014 kein Branchenwachstum.

Weltmarkt für Kreiselpumpen und Armaturen

Quelle: KSB-Schätzung, Europäischer Investitionsfonds (Februar 2015)

VERHALTENE ENTWICKLUNG DER PUMPEN- UND ARMATURENINDUSTRIE

Verglichen mit dem Maschinenbau insgesamt hat sich der Absatz von Pumpen und Armaturen weltweit schwächer entwickelt. Allerdings kamen positive Impulse von der in einigen Regionen wieder stärkeren Projekttätigkeit der Energieversorger sowie der Wasser- und Abwasserwirtschaft, was auch unser Geschäft branchenbezogen belebte. Eine erhöhte Nachfrage nach Spezialarmaturen resultierte aus dem Ausrüstungsbedarf der Flüssiggasindustrie sowie der für den Transport benötigten Tankschiffe, was die Anbieter entsprechender Ausrüstungsgegenstände, einschließlich KSB, begünstigte.

Speziell der Markt für kraftwerkstechnische Pumpen und Armaturen entwickelte sich sehr differenziert. Während in Asien neue Kohlekraftwerke entstanden, schalteten die Stromversorger in Europa vermehrt solche Anlagen ab, um auf gasbefeuerte Kombikraftwerke oder erneuerbare Energien umzuschwenken. Entsprechend richteten sich die Zulieferer für Kohlekraftwerke vornehmlich auf China und Indien aus, wobei KSB keine Ausnahme bildete. In den beiden Zielmärkten übten asiatische Anlagenbauer auf die Bereitsteller von Kraftwerkskomponenten einen hohen Preisdruck aus, der die Margen der Pumpen- und Armaturenindustrie beeinträchtigte.

Die Aufträge für hochwertige technische Güter, wie sie zur Ausrüstung von Nuklearkraftwerken benötigt werden, waren unverändert attraktiv, blieben aber durch die geringe Zahl an Neubauten limitiert. Insoweit waren auch die Auftragschancen für KSB begrenzt.

Negativ war die Marktentwicklung im Bergbau. In dieser Branche zeigte sich aufgrund der abgeschwächten Nachfrage nach Rohstoffen noch keine Belebung. Darum gestaltete sich die Auftragslage für die Hersteller von Pumpen zum hydraulischen Feststofftransport, zu der unsere US-amerikanische Konzerngesellschaft GIW Industries, Inc. gehört, schwieriger als im Vorjahr. Chancen boten sich aber unter anderem bei Modernisierungsprojekten.

Erfolge und Misserfolge der Pumpen- und Armaturenhersteller waren stark von der jeweiligen Branchenorientierung abhängig. Überdurchschnittliche Chancen hatten Anbieter von Produkten für die Öl- und Gasindustrie, insbesondere in Nordamerika und im Nahen Osten. Eine Ausnahme bildete aufgrund von Projektverschiebungen die kanadische Ölsandindustrie, sodass Hersteller von Feststoffpumpen von dieser Auftragslage nicht profitierten.

Insgesamt verzeichneten die Pumpenproduzenten 2014 einen höheren Auftragseingang als im Vorjahr. Das Geschäft der Armaturenanbieter belebte sich hingegen noch nicht; hier erfolgen bei neuen Vorhaben die Bestellungen im Regelfall später als bei Pumpen. Die Auftragslage für die Anbieter von pumpen- und armaturentechnischem Service blieb speziell in Europa von den strukturellen Schwierigkeiten der Energiebranche geprägt. Dies spürten auch die KSB-Servicegesellschaften in dieser Region.

Die Umsätze der meisten Pumpen- und Armaturenproduzenten waren gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Das Umsatzvolumen der in Deutschland tätigen Hersteller von Flüssigkeitspumpen verringerte sich nach Angabe des VDMA preisbereinigt um 4 %. Nahezu ebenso deutlich gingen nach Angaben des Fachverbandes die Umsätze der Produzenten von Indus­triearmaturen in Deutschland zurück. Diese lagen im vergangenen Jahr 3,4 % unter denen des Vorjahres.

VERSTÄRKTER WETTBEWERB DURCH ASIATISCHE HERSTELLER

Die Konkurrenz asiatischer Anbieter hat zugenommen. Dies ist in erster Linie bei Projekten in Schlüsselindustrien wie der Energiewirtschaft, dem Bergbau sowie der Öl- und Gasindustrie zu spüren. Bei Auftragsvergaben kommen verstärkt lokale Hersteller zum Zuge, wobei China prominentes Beispiel ist. Die dortigen Pumpenhersteller haben sich strategisch auf eine stärkere Durchdringung ihres Heimatmarktes ausgerichtet und streben an, ihr Qualitätsniveau zu erhöhen.

Mit der zunehmenden Beteiligung koreanischer Anlagenbauer an internationalen Projekten, beispielsweise im arabischen Raum, konnten die in Korea heimischen Pumpenhersteller ihren Aktionsradius ausdehnen. Damit wurden sie zunehmend für Anlagenbauer außerhalb Asiens interessant, was die globale Konkurrenz für Anbieter aus anderen Regionen erhöhte.

Im Bergbau verfolgten unsere Wettbewerber unverändert die Strategie, ihr Produktportfolio entlang der Wertschöpfungskette zu vergrößern. Außerdem verstärkten die Anbieter von Bergbau-Pumpen, ähnlich wie KSB, ihre Servicepräsenz in den wichtigsten Minenregionen dieser Welt.

Starke Nachfrage: Für Flüssiggastanker und -terminals benötigen die Kunden spezielle Tieftemperaturklappen.

Insgesamt gab es im Berichtsjahr nur wenige größere Akquisitionen der Pumpen- und Armaturenhersteller. Einzelne Wett­bewerber waren vielmehr bemüht, unrentable Geschäftssegmente zu veräußern, um sich stärker auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Auf diesem Wege versuchten sie, finanziellen Spielraum für strategische Zukäufe zu gewinnen. Diese Entwicklung war im Wesentlichen bei den Herstellern von Armaturen zu beobachten. Ein US-Pumpenhersteller bereitete gegen Jahresende die Übernahme eines niederländischen Produzenten von Vakuum- und Flüssigkeitspumpen mit einem operativen Schwerpunkt in Deutschland vor. Dies kann die Wettbewerbssituation bei einigen Industrie- und Kraftwerkspumpen sowie im Service verschärfen. Trotz oder gerade wegen der geringen Aktivitäten bei Zukäufen und Zusammenschlüssen verbesserten einige Wettbewerber ihre Vertriebs- und Servicestrukturen. Dies gelang durch die Gründung neuer Regionalbüros und Servicecenter, insbesondere im Mittleren Osten und in Afrika.

To top